Prof. Dr. Reto Steiner - Experte für öffentliches Management DEUTSCH ENGLISH

Sinnvolle Anreize statt Verbote

Die Schweizer Bevölkerung eint ein Thema: Die Empörung über die Boni der Bankmanager. Die Aufruhr ist nicht mehr nur in den Leserbriefspalten spürbar, sondern durch die Demonstration vor dem UBS-Hauptsitz in Zürich physisch sichtbar geworden. Täter und Opfer sind bei Krisen oft rasch identifiziert und auch Lösungsvorschläge lassen nicht auf sich warten. Die Täter sind in diesem Fall die Manager, die Opfer der Rest der Bevölkerung. Lösungen sieht man in der Forderung nach Maximallöhnen und Abschaffung von Leistungsprämien, einzelne Politiker fordern sogar Verstaatlichungen und ein Zurückstutzen der Marktwirtschaft.

Doch sind diese Rezepte nützlich? Denken und handeln Manager anders als der Rest der Bevölkerung? Erfüllen staatlich geführte Unternehmen ihre Aufgabe tatsächlich besser? Anregungen zur Lösungsentwicklung gibt die Motivationsforschung. Sie zeigt auf, dass extrinsische und intrinsische Anreize das Handeln der Menschen beeinflussen. Auf den Tennissport übertragen sind es die Medaille (extrinsischer Anreiz) und das Herz (intrinsischer Anreiz), welche den Sportler antreiben.

Extrinsische Anreize sind nicht unmoralisch. Wichtig ist aber, dass sie erwünschtes Verhalten fördern und ihr Einsatz kontrolliert wird. Leistungslohn darf nicht zu einer Fokussierung auf rasche Rendite führen, sondern muss ein Verhalten fördern, damit es dem Unternehmen langfristig gut geht (z. B. Kundenzufriedenheit, wenig Klumpenrisiken, Gewinn über fünf Jahre). Die Ausschüttung der Prämien muss von denjenigen kontrolliert werden, welchen das Unternehmen gehört: Es braucht also eine deutliche Stärkung der Aktionärsrechte (Abstimmung über Boni und Kampfwahlen bei Verwaltungsräten). Dies ist in der Politik nicht anders: Legislativen und direkte Demokratie verhindern ein selbstgefälliges Handeln der Exekutiven.

Bei zu hohen extrinsischen Anreizen besteht die Gefahr, dass die intrinsischen verdrängt werden. Diese sind aber wichtig: Eine Medaille gibt es nur zu gewinnen, wenn das Herz des Sportlers schlägt. Dazu gehört die Freude der Führungskräfte und Mitarbeitenden an ihrer Arbeit. Die Identifikation kann nicht gesetzlich verordnet werden. Sie hat mit Werten zu tun. Hier tragen die Eltern und die Schulen eine wichtige Verantwortung: Bei der Erziehung ist aufzuzeigen, dass der Einsatz für die Gesellschaft und die Kunden, Rücksichtnahme auf die einzelnen Anspruchsgruppen und die Freude am Arbeiten an sich Erfolgsfaktoren für eine gesunde Volkswirtschaft sind.

Ich bin überzeugt, dass das Setzen von sinnvollen Anreizen und Kontrollen sowie ein Investieren in Werthaltungen deutlich mehr bringen als Empörungsbewirtschaftung und Verbote. Dies gilt für die Privatwirtschaft und den Staat, denn in beiden Institutionen handeln Menschen nach gleichen Mustern!